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Gemeinschaft braucht Orte: Was LEADER in Icker möglich macht

Gerade heute braucht es Orte, an denen Menschen zusammenkommen, sich austauschen und einfach miteinander klönen können. Schwester Anne Voss hat sich mit viel Engagement dafür eingesetzt, solche Orte in Icker zu erhalten und weiterzuentwickeln. Gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlichen hat sie zwei Projekte auf den Weg gebracht, die mithilfe der LEADER-Förderung realisiert werden konnten. Im Interview erzählt die ehemalige Gemeindereferentin, was in Icker möglich geworden ist und welche Rolle LEADER dabei gespielt hat.

Frau Voss, gleich zwei LEADER-Projekte konnten Sie in Icker mit auf den Weg bringen. Wenn Sie heute auf den Pavillon und den Pfarrsaal schauen: Was haben die Projekte für den Ort verändert?

Vor allem haben die Gemeindemitglieder heute bessere Möglichkeiten, sich in Icker zu treffen und gemeinsam etwas zu unternehmen. Den Wunsch nach einem Pavillon oder einer Überdachung auf der Pfarrwiese hatten wir schon lange. Wenn wir draußen etwas veranstaltet haben und es anfing zu regnen, fehlte einfach ein geschützter Treffpunkt. Während der Corona-Zeit ist dieser Wunsch noch einmal stärker geworden. Heute zeigt sich, wie gut der Pavillon angenommen wird. Es finden dort viele verschiedene Veranstaltungen statt und besonders der Backofen ist sehr beliebt. Dienstags kommen zum Beispiel immer rund 20 Menschen zum Boulen zusammen, dazu gibt es frisch gebackenen Kuchen und natürlich wird viel geklönt. Es geht darum, sich zu treffen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Solche Orte sind heute unheimlich wichtig.

Und welche Bedeutung hat der Pfarrsaal für das Gemeindeleben?

Der Pfarrsaal ist sehr wichtig für die Gemeinde und wird von ganz unterschiedlichen Gruppen genutzt. Er steht für alle frei zur Verfügung. Dort finden Mittagstische, Sonntagscafés für Alleinlebende, Seniorennachmittage, Frühstückstreffen und Chorproben statt. Auch Gremien, Kinder -und Jugendgruppen treffen sich dort, es gibt aber auch beispielsweise Angebote wie Yoga. Der Saal muss also ganz unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden.

Er wurde 1984 gebaut und seitdem ist natürlich einiges in die Jahre gekommen. Die Stühle sind abgenutzt, die Technik ist veraltet und auch die Akustik ist aufgrund der hohen Räume und Steinwände ein großes Thema. Deshalb sollen unter anderem neue Tische und Stühle, moderne Technik, ein Smartboard, neue Lautsprecher und eine neue Beleuchtung angeschafft werden. Flexible Tische lassen sich zudem zusammenklappen, wenn für andere Angebote mehr Platz benötigt wird.

Mit der LEADER-Förderung allein war es aber noch nicht getan. Wie viel eigenes Engagement steckt in den beiden Projekten?

Wir sind eine sehr kleine Gemeinde und können solche Investitionen nicht einfach aus dem Haushalt finanzieren. Deshalb haben wir viel dafür getan, unseren Eigenanteil selbst zu stemmen. Mit Aktionen wie dem Adventszauber, Musicals, Pfarrfesterlöse, dem Verkauf von Apfelsaft oder einer Festschrift haben wir Geld gesammelt. Hinzu kamen weitere Unterstützer und ganz viel Eigenleistung. Beim Pavillon haben Ehrenamtliche beispielsweise beim Fußboden, bei Leitungen und bei der Gestaltung der Beete mit angepackt. Ohne dieses Engagement wäre vieles nicht möglich.

Inzwischen haben Sie den LEADER-Prozess zweimal durchlaufen. Wie haben Sie den Weg von der Idee bis zum Antrag erlebt?

Ein Förderantrag ist schon kompliziert, gerade wenn man so etwas vorher noch nicht gemacht hat. Wir wurden aber vom Regionalmanagement sehr nett und kompetent begleitet und wirklich an die Hand genommen. Das hat uns sehr geholfen. Gemeinsam mit dem Förderverein: „Kirche mitten im Ort“ konnten wir so die Projekte Schritt für Schritt auf den Weg bringen.

Hätte es den Pavillon und die Modernisierung des Pfarrsaals in dieser Form auch ohne LEADER gegeben?

Nein, ich glaube nicht, dass wir ohne LEADER einen solchen Pavillon bekommen hätten. Vielleicht hätten wir mit dem Geld, das wir selbst erwirtschaftet haben, irgendwann eine kleine Überdachung oder einen Wintergarten realisieren können. Aber das wäre nur in einem deutlich kleineren Umfang möglich gewesen und hätte nicht dem entsprochen, was der Ort braucht.

Auch die Modernisierung des Pfarrsaals hätten wir in dieser Form alleine nicht schaffen können. Gerade deshalb ist die Förderung für uns so wichtig. Und beim Pavillon und vor allem beim Backhaus sehen wir heute sogar, dass er manchmal schon fast zu klein ist, weil der Andrang so groß ist. Umso schöner ist es, dass wir ihn in dieser Form realisieren konnten.

Die Zukunft von LEADER nach 2027 ist derzeit noch nicht sicher. Was würde gerade kleinen Orten fehlen, wenn es diese Unterstützung künftig nicht mehr gäbe?

Kleine Gemeinden, Vereine und Gruppen sind auf solche Unterstützung angewiesen. Es gibt vor Ort viele Menschen mit Ideen und viel ehrenamtliches Engagement. Aber nicht jede Gemeinde oder jeder Verein hat die finanziellen Möglichkeiten, größere Projekte aus eigener Kraft umzusetzen.

Ich glaube, dass es auch in anderen Orten einen großen Bedarf an solchen Treffpunkten und Angeboten für das Zusammenleben gibt. Entsprechend groß ist aus meiner Sicht auch der Bedarf an einem Förderprogramm wie LEADER.